Knock-Out Risiko: Berührt der Kurs die KO-Barriere, verfällt das Zertifikat sofort wertlos (Totalverlust). Je näher die Barriere, desto höher der Hebel — aber auch das KO-Risiko. Turbos haben kein Aufgeld (Agio) — sind daher fairer bewertet als Standard-OS.
FAKTOR-ZERTIFIKAT
FAKTOR (HEBEL)
RICHTUNG
KURS HEUTE $
TÄGLICHE BEWEGUNG %
TAGE SIMULIEREN
Parameter eingeben → Simulieren
Volatilitäts-Erosion (Path Dependency): Faktor-Zertifikate verlieren bei seitwärts bewegenden Märkten durch die tägliche Neuberechnung des Hebels systematisch an Wert. Bei 3× Long und täglich ±2% Schwankung ohne Richtung: Verlust von ca. 4%/Monat durch Erosion. Nur für kurzfristige gerichtete Trades geeignet.
OS vs ECHTE OPTIONEN — VOLLSTÄNDIGER VERGLEICH
MERKMAL
STANDARD OPTIONSSCHEIN
TURBO / KNOCK-OUT
ECHTE OPTION (EUREX)
Emittentenrisiko
JA — Bank ist Gegenpartei
JA — Bank ist Gegenpartei
NEIN — Börse (EUREX) als CCP
Aufgeld (Agio)
Hoch — 5-15% bei ATM
Niedrig / kein Aufgeld
Kein explizites Aufgeld
Knock-Out Risiko
NEIN
JA — Totalverlust möglich
NEIN
IV-Einfluss (Vega)
Stark — bei hoher IV teurer
Kaum (Intrinsic Value dominiert)
Stark — direkt messbar
Handelbarkeit
Xetra, direkt über Broker
Xetra, direkt über Broker
EUREX, sehr liquide
Spreads
Oft weit (1-3%)
Enger (0.5-1%)
Sehr eng (Market Maker)
Mindesteinsatz
Klein (ab €5)
Klein (ab €1)
1 Kontrakt = 100 Aktien
Komplexe Strategien
NEIN
NEIN
JA — Spreads, Condors, etc.
Bei HIGH IV empfohlen
NEIN — zu teuer
Neutral
JA — Optionen schreiben!
Bei LOW IV empfohlen
OK
OK
JA — Optionen kaufen (günstig)
Faustregel: Wenn du Zugang zu echten Optionen (EUREX/CBOE) hast, sind diese fast immer besser — direkterer Preismechanismus, kein Emittentenrisiko, echte Strategiekombinationen möglich. Optionsscheine sind für Privatanleger geeignet, die keine Options-Broker-Freischaltung haben oder sehr kleine Summen einsetzen wollen.
DIE GRIECHEN (GREEKS)
Δ
DELTA
0–1 (Call) / −1–0 (Put)
Kursveränderung der Option pro $1 Kursveränderung der Aktie. Call Delta 0.5 = Option steigt $0.50 pro $1 Anstieg. ATM ≈ 0.5, Deep ITM ≈ 1.0, Deep OTM ≈ 0.0
Γ
GAMMA
Beschleunigung
Veränderung von Delta pro $1 Kursbewegung. Hoch bei ATM-Optionen nahe Expiry. Käufer profitieren von Gamma (Delta wächst schneller), Verkäufer leiden darunter.
Θ
THETA
Zeitwertverlust/Tag
Verlust der Option pro Tag durch Zeitwertverfall. Negativ für Käufer, positiv für Verkäufer. Beschleunigt in den letzten 30 Tagen drastisch. Bei 0DTE: maximaler Theta-Decay.
ν
VEGA
IV-Sensitivität
Preisveränderung der Option pro 1% IV-Veränderung. Positiv für Käufer (hohe IV = teurer), negativ für Verkäufer. Bei Crash explodiert Vega → Optionen werden sofort teurer.
ρ
RHO
Zinssensitivität
Preisveränderung pro 1% Zinsveränderung. Bei LEAPS relevant (lange Laufzeit). Calls profitieren von steigenden Zinsen, Puts leiden darunter. Bei kurzfristigen Optionen vernachlässigbar.
Delta Call = N(d1) Delta Put = N(d1) − 1 Gamma = N'(d1) / (S × σ × √T) Vega = S × N'(d1) × √T / 100 Theta = −(S × N'(d1) × σ / 2√T − r × K × e^(−rT) × N(d2)) / 365
MONEYNESS — ITM / ATM / OTM
In The Money (ITM): Call: Kurs > Strike. Put: Kurs < Strike. Hat Intrinsic Value + Time Value. Teuer, hohe Delta (0.7–0.99), wenig Leverage.
At The Money (ATM): Strike ≈ Kurs. Höchster Zeitwert, Delta ≈ 0.5, maximales Gamma. Ideal für Straddles und als Benchmark.
Out of The Money (OTM): Call: Kurs < Strike. Put: Kurs > Strike. Nur Zeitwert, kein Intrinsic. Günstig, geringes Delta (0.05–0.35), maximales Leverage. Verfällt oft wertlos.
Die 30-Delta-Regel: Profis verkaufen meist 30-Delta-OTM-Optionen (Iron Condor, CSP). Statistisch verfallen ca. 70% dieser Optionen wertlos → ideale Erfolgsquote für Optionsverkäufer.
TIME DECAY — THETA KURVE
Theta ist nicht linear — er beschleunigt dramatisch in den letzten 30 Tagen vor Expiry. Eine ATM-Option mit 90 DTE verliert täglich ca. 0.03% ihres Wertes. Bei 7 DTE ist es bereits 0.15%/Tag. Bei 0DTE: über 50%/Tag möglich.
Für Verkäufer: 30-60 DTE ist der Sweet Spot — Theta ist schnell genug, Gamma-Risiko noch überschaubar. Nach 21 DTE Reprise wenn möglich (50% Profit-Regel).
Für Käufer: Optionen mit weniger als 30 DTE kaufen ist riskant — Theta frisst Gewinne auch wenn die Aktie sich richtig bewegt. LEAPS (>180 DTE) vermeiden dieses Problem.
IV CRUSH NACH EARNINGS
Vor Earnings pumpen Market Maker die IV stark auf — Optionen werden teuer weil Unsicherheit hoch ist. Nach dem Earnings-Event fällt IV oft um 30-60% über Nacht — selbst wenn der Kurs sich stark bewegt.
Konsequenz: Wer direkt vor Earnings Long Calls/Puts kauft, verliert durch den IV-Crush oft mehr als er durch den Kursmove gewinnt. Die Aktie bewegt sich 5% — die Option verliert 20% durch IV-Crush.
Earnings Play-Strategien: Short Strangle / Iron Condor vor Earnings (profitiert vom IV-Crush, neutral auf Richtung) — aber Achtung: massive Gaps können Verluste erzeugen. Alternativ: Calendar Spread (short nahe Expiry profitiert vom IV-Crush, long weite Expiry hält IV).
CRASH-PLAYBOOK — OPTIONEN IM CRASH
Warum der Crash der beste Zeitpunkt für Optionsverkäufer ist: Im Crash explodiert die implizite Volatilität (VIX März 2020: 82, Lehman 2008: 89, COVID: 66). Optionspreise sind dann 3-5× teurer als im Normalmarkt. Wer in diesem Moment Optionen schreibt, kassiert Rekordprämien.
VOR DEM CRASH
IV niedrig (LOW-Regime) → Puts kaufen (günstig!)
Protective Puts auf Long-Positionen
LEAPS Calls für Long-Exposure → Investitionskosten minimal
WÄHREND DES CRASHS
IV CRISIS (>90th pct) → Optionen schreiben!
Cash-Secured Puts auf Support-Levels
Short Strangle wenn Boden absehbar
Bull Put Spreads für limitiertes Risiko → Rekordprämien kassieren
NACH DEM CRASH
IV fällt → Long Calls/LEAPS
CSPs covern (Prämie realisiert)
Covered Calls auf neue Positionen
IV kehrt zu Normal → Balanced → Voller Upside-Partizipation
ALLE STRATEGIEN — SCHNELLÜBERSICHT
STRATEGIE
MEINUNG
IDEAL IV
MAX GEWINN
MAX VERLUST
BREAK-EVEN
Long Call
↑ Bullish
LOW
Unlimitiert
Prämie
Strike + Prämie
Long Put
↓ Bearish
LOW
Strike − Prämie (×100)
Prämie
Strike − Prämie
Cash-Secured Put
↑ Neutral/Bull
HIGH
Prämie
Strike − Prämie
Strike − Prämie
Covered Call
↔ Neutral
HIGH
Prämie + Upside bis Strike
Aktienrisiko
Kaufkurs − Prämie
Bull Call Spread
↑ Moderat Bull
ANY
Spread − Nettodebit
Nettodebit
Lower Strike + Debit
Bear Put Spread
↓ Moderat Bear
ANY
Spread − Nettodebit
Nettodebit
Higher Strike − Debit
Bull Put Spread
↑ Neutral/Bull
HIGH
Nettokredit
Spread − Credit
Upper Strike − Credit
Bear Call Spread
↓ Neutral/Bear
HIGH
Nettokredit
Spread − Credit
Lower Strike + Credit
Long Straddle
↕ Volatil
LOW
Unlimitiert
2× Prämie
Strike ±(Call+Put)
Long Strangle
↕ Sehr Volatil
LOW
Unlimitiert
2× Prämie
Strikes ±Total Debit
Short Strangle
↔ Sehr Neutral
CRISIS
2× Prämie
Unlimitiert
Strikes ±Total Credit
Iron Condor
↔ Neutral
HIGH
Nettokredit
Spread − Credit
2 Break-evens
Iron Butterfly
↔ Sehr Neutral
HIGH
Nettokredit (max)
Wing Spread − Credit
ATM ± Credit
Call Butterfly
↔ Neutral
ANY
Spread/2 − Debit
Nettodebit
Lower ± Debit
Collar
↔ Aktienbesitz
ANY
Call Strike − Spot
Put Strike − Spot
Spot ± Nettodebit/Credit
RISK MANAGEMENT — EISERNE REGELN
1. Nie mehr als 5% des Portfolios in eine einzelne Optionsposition. Optionen können schnell 50-100% ihres Wertes verlieren.
2. Kaufte Optionen: 50%-Stop. Wenn die Option 50% ihres Wertes verliert, schließen. Keine Hoffnung — die Zeit läuft gegen dich.
3. Verkaufte Optionen: 200%-Regel. Wenn die erhaltene Prämie sich verdreifacht (200% Verlust auf den Credit), schließen und Verlust begrenzen.
4. Earnings vermeiden — oder gezielt spielen. Optionen direkt vor Earnings kaufen ist riskant (IV-Crush). Short Strategien vor Earnings profitieren vom IV-Crush, haben aber Gap-Risiko.
5. Theta-Decay nutzen: Verkaufe Optionen mit 30-60 DTE. Schließe bei 50% Gewinn (21 DTE-Regel). Lass keine laufenden Gewinne zu Verlusten werden.
Zusammenfassung: Optionen sind kein Lotterieschein — sie sind präzise Werkzeuge für präzise Marktmeinungen. Die beste Strategie hängt von: (1) Marktmeinung, (2) IV-Niveau, (3) Zeitrahmen, (4) Risikotoleranz ab. Dieser Scanner berechnet alles automatisch — nutze den Regime-Indikator in Tab 1.